«Die Verwandlung des Seelischen bedeutet für den Menschen eine große Aufgabe. Der Mensch kann nur eine autonome und freie Individualität werden, wenn er die Kraft aufbringt, sein Seelisches aus sich heraus zu ordnen und zu führen. Er ist aufgefordert, zu seinem eigenen Seelenwesen, seinen Fähigkeiten, Charaktermerkmalen, Erfahrungen, Traumatisierungen und Abgründen in eine freies Verhältnis zu treten. Jeder Mensch hat viele Persönlichkeitsanteile in sich: das Kind, den Ängstlichen und den Weisen, den Narren und den Kämpfer und noch viele mehr; er wird nicht umhinkommen, zwischen diesen Anteilen zu vermitteln.
Es ist allerdings eine bisweilen sehr mühsame, ermüdende Arbeit, die Stille, die Gewissheit, Willenskraft, Souveränität und das Vertrauen aufzubringen, die dazu nötig sind. Die ordnenden Seelenkräfte entwickeln sich nur langsam; man kann sogar von der beruhigenden Tatsache ausgehen, dass sich diese Verwandlungsarbeit über viele Leben erstrecken wird.» (Seite 109)aus dem Buch: „Erde und Mensch – Was uns verbindet“ … von Karsten Massei
Massei-Bezug zu E. Tolle
Der nebenstehende Text von K. Massei kann einen erinnern an die Aussagen von E. Tolle.
Eine Distanzierung vom Erden-Ego, oder anders: von der gewordenen Erden-Persönlichkeit ist nötig, damit der Mensch „Herr im Hause“ (autonome und freie Individualität) wird. Tolle hält es dazu für nötig, aus dem Vergangenheits-Bewusstsein des Erden-Ego immer wieder ins „Jetzt“ zurückzukehren. Dies gelingt, wenn der Mensch immer wieder die Stille aufsucht. Dort findet er die Besinnung, die es braucht, um sich über diese Zusammenhänge klar zu werden. Das Sein im Jetzt, das Wahrnehmen all dessen, was „jetzt“ ist, den inneren, steten Denker ausschalten.
Anders als Tolle sagt Massei, dass es große Arbeit und Mühsal bedeutet, all diese Aspekte (Anteile) des Seelenlebens zu ordnen bzw. zwischen ihnen zu vermitteln. Der Mensch muss sich ihnen zuwenden, muss sich um sie kümmern, sie müssen also als anwesend (berechtigt?) anerkannt werden, nicht beiseite geschoben werden, wie man es bei Tolle evtl. verstehen könnte.
Und hier passt auch:
«Echt und authentisch zu sein bedeutet, Gegensätze im eigenen Wesen miteinander zu vereinbaren. Wenn wir lernen, uns selbst in wachsendem Maß zu akzeptieren, bis es nichts mehr in uns gibt, dessen wir uns schämen und das wir zu verbergen suchen, gewinnt unser Dasein jene Großzügigkeit und Wärme, die alle wahrhaft liebenden Menschen auszeichnet. – Anziehend ist, wer sich mit seiner inneren Widersprüchlichkeit angefreundet hat.»
Deepak Chopra
