Erkennen und Verstehen – Lauschen in der Stille

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«Es ist eine innere Arbeit, sich dem Pflan­zen­wesen zu nähern. Denn mit dem inneren Sinn lauscht der Mensch. (…) Diese innere Arbeit führe ich unbe­dingt selber aus (…), denn es ist ein Weg zu wirk­lich eige­nen Erfah­rungen. Das heißt nicht, dass es die Wis­sen­schaf­ten nicht bräuchte, aber man befin­det sich auf einem gefähr­lichen Weg, wenn man meint, das Ge­winnen von Er­kennt­nissen sei eine aus­schließ­lich äußer­liche An­gele­gen­heit, die sich an Fach­leute dele­gieren ließe.Erken­nen ist eine ur­mensch­liche Tätig­keit, die in die Hände des ein­zelnen Men­schen gehört.» Karsten Massei

A     Das Er­fahren kann man als Mensch nicht „ab­geben“. Die Sinne, das Hor­chen auf Nach­klänge der ei­genen Seele, müssen geübt wer­den, müssen prak­ti­ziert werden. Von Pflan­zen, Tie­ren, Din­gen, Wesen „er­zählt“ (vermit­telt) zu be­kommen, genügt nicht, um die Welt zu erken­nen, zu ver­stehen.

B     Zahl­reiche Fähig­keiten und Fertig­keiten des nuan­cierten, dif­feren­zierten Wahr­nehmens liegen brach, wer­den nicht ent­wickelt, wenn der Mensch von den Din­gen nur „Mit­tei­lungen“ be­kommt. Dieses Nicht-Ent­wickeln, dieses Ver­küm­mern ist die große Ge­fahr bei allen „ver­mittel­ten“ Kennt­nissen, also bei allen „Medien“.

C     Fürch­ter­liche Aus­wir­kungen hat es, wenn man Kin­dern in den frühen Jah­ren die Gele­gen­heit nimmt, selbst Er­fah­rungen zu machen, indem man ihnen zu viel „medial“ ver­mit­telt. Daher ist der Kampf gegen das „schlimm­ste“ Me­dium (PC, Tab­let, Handy, etc) so wich­tig: Kin­der bis min­des­tens zum 10. Lebens­jahr soll­ten nicht an sol­chen Bild­schir­men spie­len, ler­nen und ar­beiten.

«Erkennen ist eine ur­mensch­liche Tätig­keit,
die in die Hände des ein­zel­nen Men­schen gehört.» s.o.

Dieses Erkennen (und Ver­stehen) besteht nicht nur aus Wahr­nehmen und Den­ken, es ist nicht nur ein kog­niti­ves Ge­schehen. Es ist ein de­müti­ges Still-Werden und Horchen auf etwas, das sich im Seelen-Inne­ren des Men­schen aus­sprechen will. Es braucht einen Raum im Innen des Men­schen, um see­lische Emp­fin­dungs­fähig­keiten und -fertig­keiten zu ent­wickeln, zu schulen. Es ist See­len­arbeit. Der Mensch hat die An­lagen und Fähig­keiten zu die­sem stillen Lauschen.

Bei­spiele für ein sol­ches Aus­diffe­renzie­ren, das durch „Tun“, also durch Prak­tizie­ren er­worben wird, sind: das Schär­fen des Ge­ruchs- und Ge­schmacks­sinns beim Kochen und beim ge­nie­ßenden Essen, eben­so beim Ge­nießen und Ver­kosten von z. B. Wein; das Er­spüren fein­ster moto­rischer Bewe­gungs­nuancen im Sport, beim Tan­zen, beim Spie­len; das feine Aus­dif­feren­zieren des Ge­hörs beim Machen und Hören von Musik; …

Damit dem Prak­tizie­renden diese fei­nen Nuancen bewusst wer­den, braucht es diesen stil­len Innen­raum, in dem Er­leb­nisse, Sinnes­erfah­rungen, moto­rische Er­fah­rungen, Gefühls­erfah­rungen, Wesens­erfah­rungen nach­klin­gen können. Das ist der ei­gent­liche Sinn des Wortes „Besinnen“. Erst in einem (mög­licher­weise) zwei­ten Schritt können die er­fah­renen Dinge ver­bali­siert, for­muliert, benannt werden. Aber schon davor sind sie dem Men­schen „bewusst“ geworden.

Und diese Er­leb­nisse, Sinnes­erfah­rungen, motor­ische Er­fah­rungen, Gefühls­erfah­rungen, Wesens­erfah­rungen sind nicht auf Gehirn­pro­zesse zu re­duzieren. Da macht ein Mensch, da macht eine Seele Er­fah­rungen und er­wirbt Fertig­keiten und Fähig­keiten – nicht ein Gehirn.