Schelling – ein Zitat

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… aus seinem achten Brief in den „Philosophischen Briefen über Dogma­tismus und Kriti­zismus“:

„Uns allen wohnt ein geheimes, wunder­bares Ver­mögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit in unser inner­stes, von allem, was von außen hin­zukam, ent­klei­detes Selbst zurück­zu­ziehen und da unter der Form der Un­wandel­bar­keit das Ewige in uns anzu­schauen. Diese Anschau­ung ist die inner­ste, eigen­ste Erfah­rung, von welcher allein alles abhängt, was wir von einer über­sinn­lichen Welt wissen und glauben“.

Dieses von Schelling genannte Ver­mögen, uns in ein Inner­stes zurück­ziehen zu können ist wohl das gleiche, das auch die Mystiker (Meister Eckhart, Angelus Silesius, etc.) meinen, wenn sie sich in eine innerste Stille zurück­ziehen, um das „Fünk­lein“ in sich zu ent­decken, zu be­trach­ten, zu ver­stehen.

Und nichts anderes als der Rück­zug in eine Stille in uns, um darin unse­ren gei­stigen Wesens­kern zu fühlen, sind wohl auch all die spiri­tuellen Wege zu Acht­sam­keit und Ver­inner­lichung. Dazu gehört eben auch der acht­gliedrige Pfad, mit dem wir uns der­zeit beschäf­tigen und der aus dem Buddhis­mus be­kannt ist, aber für das mo­derne, heutige Bewusst­sein von Ru­dolf Steiner an­ge­passt worden ist.

Es ist so wichtig, dass es heute Men­schen gibt, die vom Gei­stigen nicht nur abs­trakte (philo­sophische oder akade­mische) Gedan­ken oder – in den Kirchen tra­dierte – leer ge­wordene Glau­bens-In­halte hören, sondern eigene Er­fah­rungen mit ihrem Gei­stigen suchen und machen. Diese konkreten Er­fah­rungen mit dem eigenen gei­stigen Wesens­kern geben uns zum einen die seelische Kraft, in den der­zeitigen Um­ständen stand­haft und kraft­voll zu be­stehen (z.b. mit dem Er­geben­heits­gebet!).

Aber ganz elemen­tar braucht es heute un­be­dingt Men­schen, die über­haupt die Erfah­rung an sich selbst machen, dass es real einen geistig-seelischen Kern in uns gibt, einen über-sinn­lichen Kern, der uns wesent­lich aus­macht. Dass unser Seelisches nicht nur ein „Pro­dukt“ des Ge­hirns ist, dass unser Seelisches und Gei­stiges nicht eine „schein­bare Ober­fläche, eine Illu­sion“ ist und „eigent­lich“ nur die physisch-stoff­lichen, elek­trischen, bio-chemischen und hormo­nellen Pro­zesse in unseren Körpern „real“ seien. Wir sind über-sinn­lich! WIR SIND GEIST! und haben An­teil am Gött­lich-Geistigen.

Ich beneide die Menschen der ver­gan­genen Jahr­hun­derte, denen es leichter fal­len konnte als uns Heutigen, diesen Weg zu innerer Stille und Geist­erfah­rung zu finden. Als es kein Radio, kein Fern­sehen, kein Inter­net gab und der Rhyth­mus des Tages, der Woche, des Jahres von nichts anderem be­stimmt wurde, als von den Not­wendig­keiten des täg­lichen Lebens, die wiede­rum aus­schließ­lich von der Natur bestimmt wurden. – Es gab keine „Enter­tain­ment“, keine mediale Ab­len­kung, keine Ver­gnügungs­kultur – wer Musik hören wollte, musste selbst welche machen; wer eine Ge­schichte hören wollte, muss­te sie er­zählt be­kommen – es gab keine Hör-Kon­serven, keine Filme …

Über welch natür­liche Kon­zentra­tions­kraft und Fähig­keit zur Auf­merk­sam­keits­bünde­lung müssen die Dama­ligen ver­fügt haben, über welch inten­sive Ver­sen­kungs­kraft. – Und wie schwer fällt es uns Heutigen, uns aus­zu­klinken aus dem all­täg­lichen, zer­fleddern­den Trubel der whats­app-Nach­rich­ten, der (ver­lo­genen euphe­mis­tischen) Werbe­spots, der Hektik und dem Lärm des Straßen­ver­kehrs, der Hektik des ach so effi­zien­ten Berufs­lebens.

Darum brauchen wir die An­lei­tung zum acht­gliedrigen Pfad – zu­nächst gar nicht so sehr, um in höheren geis­tigen Welten wahr­nehmen zu lernen (gerne auch), aber viel mehr ganz elemen­tar, um eine Seelen­hygiene zu er­lernen und zu prak­tizieren, die die Seele gesund und wider­stands­fähig hält gegen alle Zer­streu­ungen und Zer­fledde­rungen, damit wir „Herr*in im Hause“ bleiben bzw. wieder werden (wie es Birgit im Zu­sammen­hang mit den klei­nen Braille -Ver­suchen am 30. November so schön gesagt hat).