Im Augenblick, da das Wollen ruht und die Betrachtung aufkommt, das reine Sehen und Hingegebensein, wird alles anders.
Absichtslose Betrachtung, die sich nur hingibt an das Betrachtete. Die das Betrachtete sich ausdrücken, sich zeigen lässt.
Der Mensch hört auf, nützlich oder gefährlich zu sein, interessiert oder langweilig, gütig oder roh, stark oder schwach.
Hier ist wohl nicht vom betrachtenden Menschen sondern vom betrachteten Menschen die Rede. (?)
Er wird Natur, er wird schön und merkwürdig wie jedes Ding, auf das reine Betrachtung sich richtet.
Er wird Natur (?)
Zumindest wird er in der absichtslosen Betrachtung befreit von allen Zuschreibungen, Definitionen
Denn Betrachtung ist ja nicht Forschung oder Kritik, sie ist nichts als Liebe.
Erinnert mich an die goetheanistische Betrachtung, Hinwendung, die nichts von außen an das Betrachtete heranträgt (Gedanken, Vermutungen, Erwartungen), sondern hingegeben, liebevoll das Betrachtete sich aussprechen lässt und so mehr, wahreres, wesentliches vom Wesen des Betrachteten erfährt
Sie ist der höchste und wünschenswerteste Zustand unserer Seele: begierdelose Liebe.
Begierdelose Liebe, die nichts vom Betrachteten will, die das Betrachtete gewähren lassen will, so wie Eltern im besten Falle das Beste für ihr Kind wollen – seine freie Entfaltung dessen, was in ihm zur Entfaltung drängt Und Khalil Gibran: „Eure Kinder sind nicht eure Kinder …“
